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Anfang der 50er Jahre war das Angebot an Filmkunsttheatern in Hamburg nicht besonders groß.

Deswegen eröffnete Werner Grassmann 1953 in einem alten Buchlager, das nicht mehr genutzt wurde, ein kleines Filmkunstkino mit 25 Plätzen. Das Interesse unter Hamburgs Cienasten war mäßig und das kleinste Kino der Welt war häufig nicht ausverkauft, obwohl das Programm Filme präsentierte die häufig noch nie in Deutschland zu sehen waren.

Da gab es z.B. aus Russland „Sturm über Asien“ oder „Der Weg ins Leben“, aus England „Brief Encounter“ aus Frankreich „Le Sang d’un Poete“ oder aus den USA die alten Chaplin-Filme, darunter „The Kid“.

Aber der Hamburger Filmklub sah sich in seiner Rolle als alleinige Filmkunstliebhaber bedroht und machte Grassmann bei der Filmbeschaffung große Schwierigkeiten. Aber umsonst. Grassmann hatte bald bei den europäischen Filmarchiven einen sehr guten Namen und das Programmniveau wurde immer besser. Es war für das „Studio 1“ aber nicht die einzige Konfrontation. Die Hamburger Filmtheaterbesitzer versuchten den Kino-Zwerg als unliebsamen Konkurrenten los zu werden, was nicht gelang.

1956 musste das kleine Kino jedoch schließen. Behördliche Auflagen, die eine Reduzierung auf 18 Sitzplätze aus Sicherheitsgründen forderten und ein Umbau der Toilette waren nicht zu erfüllen.

Erst 1970 startete Grassmann seine zweite Karriere als Kinomann.
In der Hamburger Filmcoop, die Grassmann mit gegründet hatte, gab es Bemühungen eine Kino-Coop zu installieren, das hautpsächlich die Filme der Coop Mitglieder und ihrer Freunde zeigen sollte. Aber die Innitiative versandete bald, weil die Filmmacher lieber Filme machen als Filme zeigen wollten.

Da besann sich Grassmann auf seine Kino-Erfahrungen und gründete zusammen mit einem langjährigen Freund 1969 eine GmbH, aus der schließlich 1970 das Abaton-Kino hervorging. Der Einbau des Kinos in eine alte Garage und die Entwicklung einer modernen Programmstruktur kostete ihn so viel Zeit, dass für seine Tätigkeit als Produzent kaum noch etwas übrig blieb.

Zudem war das Abaton in der Branche nicht sehr beliebt. 1978 gelang es Grassmann als Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft Kino, dem Programmkinoverband, die Novelle des Filmförderungsgesetzes entscheidend zu verändern. Der Filmgroschen, der die großen Filmtheaterbetriebe wesentlich bevorteilte, wurde abgeschafft und Grassmann gelang es, eine prozentuale Filmförderungsabgabe durchzusetzen. Ein zweiter Prozess, der bis vor das Bundeskartellamt ging, sorgte dafür, dass die Filmverleiher alle Kinos gleichermaßen beliefern mussten und dass die Diskriminierung der kleinen Kinos aufhörte. Ein dritter Prozess gegen die GEMA wurde ebenfalls gewonnen. Ab 1987 musste die GEMA den FilmkunsttheaternKinos die gleichen Bedingungen zugestehen.

Erst 2001 brachte er wieder ein Kino in Schwung, diesmal das Kino in der kleinen Stadt Boizenburg in Mecklenburg. Die Wiedereröffnung sollte ein Signal sein gegen die Wirtschaftsfledderer aus dem Westen, die nach der Wende skrupellos durch ihre Eigeninteressen die ostdeutsche Wirtschaft fast zum Stillstand gebracht hatten.

Das Boizenburger Kino ist kein Programmkino à la Abaton. Es ist aber durch sein gemischtes Programmangebot von amerikanischen Blockbustern und neuen deutschen Filmen, mit vielen Lese-, Musik- und Kabarett-Abenden, und durch seine überaus beliebten Tanzabenden im Kino ein lebendiger Mittelpunkt in einem sonst kulturell sehr leeren Provinzstädtchen.